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Auf der PopUp in Leipzig mit Obi und Gunnar

Ich weiss, ich weiss… dieser kleine Report war schon lange (über)fällig, aber die Vorwahlzeit, die lauen Sommernachmittage und Ähnliches haben mich bisher davon abgehalten, ausführlich über unseren diesjährigen Besuch bei der PopUp-Messe in Leipzig zu berichten.

Aber erst mal zu den Erklärungen: Die PopUp-Messe ist nicht die PopKomm und auch nicht die Midem, da dort nicht die großen Haie aus dem Musikbetrieb champagnersaufend und koksend über ihren eigenen Untergang schwafeln und Piraten jagen wollen – im Gegenteil, hier wird dem Bier gefrönt, die Laune ist gut und die Vertreter der kleinen Labels, Vertriebe, ja sogar Vinylpressen und alternative Modedesigner versuchen gut gelaunt über die aktuelle Lage – die immer irgendwie beschissen ist – zu beraten. Wir, also die Vertretung von Noiseworks-Records, waren die einzigen Luxemburger auf der Messe… aber da es bei uns ja auch keine Majors gibt, soll das nicht verwundern. But who the fuck is Noiseworks? Am besten lassen wir Karsten sprechen, den Gründer des Labels der es vor einigen Jahren an einen Luxemburger verschachert hat: ” Als ich das letzte Mal hier war – im Leipziger Volkspalast, einem 1913 gebauten Gebäude aus Beton, was damals als Pionierleistung galt – also 1983, da stand der Erich Honecker da vorne auf dem Balkon und hat den realen Sozialismus beschwört – um ihn herum standen lauter junge Männer in teuren schwarzen Lederjacken, die waren natürlich von der Stasi. Sicher gab es damals schon Rock und Punkmusik in der DDR, aber die Repression war noch zu hart. Erst gegen Ende des Regimes hatte man nichts mehr zu befürchten und so habe ich anfang 1989 Noiseworks in Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz) gegründet, ohne zu ahnen, dass es eh bald vorbei sein wird mit dem Arbeiter- und Bauernstaat. Ich hab das dann 15 Jahre lang gemacht – Bands aus Ostdeutschland, Tschechien und anderen Ländern produziert – und dann bin ich Obi in Luxemburg begegnet und man kam ins Geschäft…” – Seitdem ist Noiseworks eigentlich ein luxemburgisches Label mit dem viele Bands aus der Szene kooperieren. Soviel zum Verständnis, nun zum Bericht.

Das dreiköpfige Team um Label(über)vater Obi trifft sich am Donnerstag morgen in Luxemburg, um festzustellen, dass das Auto das uns nach Leipzig bringen sollte kaputt ist. Mit einem Leihwagen aus Trier ist man – freie Fahrt hin oder her – gut 6 bis 7 Stunden on the road nach Leipzig – es empfiehlt sich hier bei der letzten Raststätte vor Leipzig, in Schorba halt zu machen. Wer noch einen richtigen Thüringer essen will, der darf es hier auch laut bestellen. Die Raststätte ist Kult und kommt ganz ohne Fastfoodkette oder Benzinpumpen aus… die Leute stehen trotzdem Schlange…und alles hat schon einen Hauch von Ostdeutschland.

In Leipzig angekommen gehen Obi, Gunnar und ich erst mal einen heben… auch um Gunnar mal aus seinem Loch zu locken, denn er ist schon ein komischer Kauz: Parasit und Vikinger zugleich, lebt er in einer dunklen Höhle irgendwo in den ewig verschneiten und noch ewiger dunklen Wälder Norwegens, hört Blackmetal, vögelt Jungfrauen zu Tode und trinkt überteuerten russischen Vodka. Er tritt normalerweise nur zum Vorschein wenn sein Gastkörper Marc dem Alkohol in rauen Mengen zuspricht – nur dann ist der Weg frei für den Berserker, dann übernimmt Gunnar die Kontrolle und die Welt erschauert – The Horror, the horror. Ansonsten ist Marc ein ganz netter Typ. Einige Drinks später in einem Club namens Nato, versucht man sich auf eine der Showcases zu einigen die hier wie Champignons aus dem Boden spriessen. Man entscheidet sich für die UT-Connewitz, ein ehemaliges Lichtspielhaus das nun ein Kulturzentrum ist. Angesagt waren The Scanners und The Legends. Während es sich bei ersteren um die 100.000ste female-fronted Garage-Indie-irgendwie-alternative-Band handelte, die zwar nicht besonders originell daherkam, trotzdem aber ehrliche Musik machte, waren die Legenden so ziemlich die mieseste Band die ich seit Jahren zu sehen und zu hören bekam. Auch die letzte luxemburgische Schülerband besässe nicht die Frechheit so vor Publikum aufzutreten. Der zweite Gitarrist starrte immer wieder ein Notenblatt auf dem Boden an, die blonde Backgroundsängerin brachte keinen Ton heraus und der Leadsänger… nun ja, er könnte mal in einem Spot gegen den Gebrauch von Koks mitmachen, als schlechtes Beispiel. Nachdem die Truppe bereits zum dritten Mal versucht hatte ein Lied fertig zu bringen, reichte es uns völlig. “More Music, Less Cocaine!!”, schrie ich noch mal um klar zu machen, dass wir nicht gingen weil wir die Musik nicht verstehen würden. Wir hatten sehr wohl verstanden. Den Rest des Abends verbrachten wir in diversen Kneipen, bis Gunnar uns sein brachiales, norwegisches Schlaflied sang, das uns dazu bewegte unser Hotel aufzusuchen.

Tag zwei begann für mich wie die meisten Freitage und Samstage und Sonntage seit ich 15 bin: mit unsäglichen Kopfschmerzen. Da Marc und Obi den ganzen Abend vorher über ihre PopUp-Workshops geklagt hatten, nahm ich an den Tag für mich in Anspruch nehmen zu können, um Leipzig zu erkunden. Doch weit gefehlt: Kaum hatte ich mich mit einem riesigen O-Saft, viel Wasser und noch mehr Kaffee auf einem Liegestuhl einer netten Terrasse unter den Bäumen der Karl-Liebknecht-Allee zur Ruhe gesetzt, tauchten die beiden wieder auf. Die Workshops waren anscheinend ziemlich unspannend gewesen – dieselbe Leier wie jedes Jahr, BigBusiness ist Scheisse, es lebe das Filesharing und die alternativen Geschäftsmodelle (die aber leider nicht zum Überleben reichen), und für den Rest; man kennt sich eben schon – also gehen wir über zur Lagebesprechung, die mit zwei oder gar drei Pitcher voll belgischem Kirschenbier uns viel besser bekommt. Auf der Terrasse weht ein lauer Wind, vor der Nato die auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt, steigen die ersten hippen Musiker aus ihrem abgefuckten Tourbus und schauen um sich als ob jedermann Ihnen jetzt gleich einen blasen würde. Gunnar streckt kurz die Nase raus, als wir uns entschliessen dann doch noch zum Volkspalast zu fahren um den Stand anzumelden. Nach einigen unfreiwilligen Visiten der Leipziger Vororte, kommen wir endlich beim Gelände an. Nur noch an ein paar Bauruinen vorbei, zwischen denen ein Billigdiscounter steht, der irgendwie nicht hierhin passt, die staubige Strasse hinauf, im Hintergrund das Völkerschlachtdenkmal, und schon steht man vor dem runden Bau des Volkspalastes. Wenn es hier nicht so wunderschön kaputt aussähe, könnte einem das Völkische glatt auf die Nerven gehen.

Nach dem Formalitätencheck, Standvergabe und Rundgang durch die Räumlichkeiten – das Interieur besteht oben aus nacktem Beton, unten sieht es eher aus wie in einem Puff der ein bisschen auf Asien machen will, die Plastikbuddhas lassen grüssen, (Das läge aber an den vielen Ü-30-Parties die hier geschmissen werden, erklärte man uns) machen wir uns auf den Heimweg, was zünftiges Essen und ab zu Ilse’s Erika, einem netten Bunker-Club in dem wir schon bei unserer letzten Visite auf bemerkenswerte Art abgestürzt waren. Leider war das einzig Prickelnde, dass eine hübsche junge Frau mit langem schwarzem Haar, sich mir näherte, mir aber statt einem Lächeln die Zigarette aus dem Maul riss und irgendwas von :” Hier ist Nichtraucher!!” grummelte…ansonsten ging man eher früh zu Bette, da morgen die Messe anfing. Mit der Seriosität einer Gruppe Handelsreisender fielen wir in unsere Kissen. Und standen wirklich am Tag darauf um zehn vor unserem aufgebauten Messestand, bereit, die ersten Biere unseres nationalen Biersponsors (unser einziger Sponsor auf dieser Messe übrigens…) zu killen. Der ganze Tag verlief dann wie in Trance…

Eine Messe ist wie jeder Ort an dem sich untereinander unbekannte Menschen sich treffen und wissen, dass es unter sich Gemeinsamkeiten gibt: Es fängt an mit Beschnüffeln, Blickkontakte aufnehmen und unmerksam versuchen doch etwas Aufmerksamkeit zu erregen. Durch ein bisschen genaueres Beobachten hat man schnell raus wer der durchtrainierte, professionnelle Kontaktmann ist, dem man beigebracht hat jedem den er begegnet das Gefühl zu vermitteln er wäre sein bester Freund, und die, die das nicht auf die Reihe kriegen. Die zweite Spezies ist von Natur aus sympathischer aber nicht immer die Interessanteste. Grosser Trend auf dieser Messe war übrigens das Vinyl – vom Presswerk, über zwei nette alte Herren die einem zeigten wie man auch zu Hause Schallplatten brennt und das auch sofort demonstrierten, bis hin zur Podiumsdiskussion – das schwarze, runde Gold liegt im Kommen. Anscheinend ist es doch eher die CD die verschwinden wird, und die Menschen werden in Zukunft zwischen MP3 und Vinyl umspringen. Warum nicht? Auf unserem Stand hatten wir was von “Free Music From Burkina Faso” stehen – was auf die ziemlich bescheuerten Wahlkampfsprüche des deutschen Finanzministers anspielen sollte, uns aber eher belächelnde, bis verachtende Blicke von humorlosen, politisch engagierten Deutschen einbringt. Sei’s drum, nach einem geschenkten Bier lockerte sich so manche Zunge auf und man kam ins Gespräch, tauschte sich aus und verschenkte die neueste Compilation von Noiseworks auf denen eine Auswahl luxemburgischer Bands zu hören ist und ja, auch das Grossherzogtum hat für die meisten Messebesucher noch einen Hauch von Exotik. Zudem war unser Gabentisch nicht heillos überfüllt und wir konnten einigermassen hinter all den feilgenbotenen Bands stehen… auch wenn wir uns ab Nachmittag eher setzen mussten und die Rückfahrt sich mit hastig wieder in den Wagen geworfenem Stand etwas chaotischer gestaltete als angenommen. Das Nachher erwies sich als noch extremer, zumal Gunnar jetzt schon bei Tageslicht hervortrat und wir zu dritt vandalisierend durch die Stadt zogen und Europawahlplakate in Mitleidenschaft zogen. Da wir uns für den Abend nicht einigen konnten welches Konzert wir wo uns anschauen würden, hatten wir die meisten schon verpasst als wir wieder bei Ilse einkehrten. Es spielte zwar ein anscheinend angesagter Electronic-Künstler, aber ausser ein paar Leuten die auf dem Boden sassen und sich darauf anstrengten konzentriert auszusehen, war nicht viel los… jedenfalls kam es mir so vor… der Rest des Abends verschwimmt in Fetzen, ein Café und Ärger, ein paar linke Skinheads und ein Parkhausgatter das nicht mehr aufwollte, Gunnars verrückte Schreie und ein freier Fall von ebendiesem Parkhausgatter, ein Bett wie ein Cover von Cannibal Corpse und eine Rückkehr voller Schmerzen…

Aber wir kommen wieder!!!


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There are 1 Comments to this article

Gunnar says:
07/04/2009

AAARRRGGGGHHHHHH…..
There’s something inside me
It’s, it’s coming out
I feel like killing you
Let loose the anger, held back too long
My blood runs cold

Through my anatomy, dwells another being
Rooted in my cortex, a servant to its bidding

Brutality now becomes my appetite
Violence is now a way of life
The sledge my tool to torture
As it pounds down on your forehead

Eyes bulging from their sockets
With every swing of my mallet
I smash your fucking head in, until brains seep in
through the cracks, blood does leak
distorted beauty, catastrophe
Steaming slop, splattered all over me

Lifeless body, slouching dead lecherous abcess, where you once had a head

Avoiding the prophecy of my new found lust
You will never live again, soon your life will end
I’ll see you die at my feet, eternally I smash your face
facial bones collapse as I crack your skull in half

Crushing, cranial, contents

Draining the snot, I rip out the eyes
Squeezing them in my hands nerves are incised
Peeling the flesh off the bottom of my weapon
Involuntarily pulpifying facial regions

Suffer, and then you die

Torture, pulverized

At one with my sixth sense, I feel free
To kill as I please, no one can stop me

Created to kill, the carnage continues
Violently reshaping human facial tissue

Brutality becomes my appetite
Violence is now a way of life
The sledge my tool to torture
As it pounds down on your forehead

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